Und was fastest Du so?… „Der Christ“ und das Fasten

Und was fastest Du so?…

„Der Christ“ und das Fasten

 

Für Christen ist spätestens am Aschermittwoch der Glanz und Glamour von Karneval vorbei. Die Fastenzeit beginnt. Aber gibt es „den Christen“, der fastet? – Fastet jeder gleich? Warum fastet „der Christ“, zu welchem besonderen Anlass fastet er und ist das überhaupt mit Beruf und Alltag vereinbar?

 

Szenenwechsel: Wir sind im Supermarkt und gehen durch die einzelnen Gänge. Wie schon im Advent, der Zeit vor dem Fest, an dem die Christen die Geburt Jesu feiern, kündigen alle (Früh-)Jahre wieder Lebensmittel- und Werbeindustrie mit Hasen und bunt bemalten Eiern das höchste Fest der Christen an: Ostern. Das Fest, an dem der Auferstehung Jesu Christi gedacht wird. Er, der vor 2.000 Jahren zuerst am Kreuz den Tod erlitt und drei Tage später wieder auferstand von den Toten. Die Message dahinter: Gott liebt die Menschen trotz all ihrer Sünden so sehr, dass er seinen eingeborenen Sohn hingibt und auf das Leiden und den Tod am Kreuz die Auferstehung folgen lässt. Es ist die Zusage an alle Menschen, dass Gott sie liebt und dass der Tod nicht das Ende ist, sondern erst der Anfang ewigen Lebens. Ostern ist ein das höchste Fest der Liebe Gottes zu uns Menschen!

 

Doch bevor Jesus öffentlich wirkte, seine Jünger um sich herum versammelte, das Wort Gottes verkündete, Blinde, Taube, Kranke heilte, Wunder tat, gab es für ihn eine Zeit der Einkehr, in der er über 40 Tage in der Wüste verweilte. Somit bezieht sich heutige Fastenzeit mit ihren 40 Tagen vor dem Osterfest auf eben jene Zeit in der Wüste. Das ist vergleichbar mit dem Ramadan, den die Muslime in Vorbereitung auf das Zuckerfest praktizieren.

 

Was fastet „der Christ“?

 

Ziemlich viele Christen fasten ziemlich viel. Der eine fastet auf Süßigkeiten, ein anderer auf Fleisch, wieder ein anderer fastet gar auf beides, raucht 40 Tage lang keine einzige Zigarette, wobei ein vierter in diesem Zeitraum seinen facebook account komplett ungenutzt lässt. Das sind nur vier mögliche Beispiele, die aber deutlich herausstellen, dass es das standardisierte christliche Einheits – Fasten an sich nicht gibt. Hinsichtlich der Speisen sind den Christen große Freiräume gelassen, obwohl – kann man an dieser Stelle einwenden – im dritten Buch Mose einige klare Speiseregeln zu finden sind. Die Bücher Mose  sind Teil des ersten Testaments, des sogenannten Alten Testaments, welches vor der Zeit Jesu verfasst wurde und an welches sich das Neue Testament, also die Schriften um Jesus, anschließt. Es sei – so steht geschrieben – der Verzehr von Kamel, Hase oder Schwein verboten (Lev 11, 3–7), um nur ein Beispiel herauszugreifen. Diesem Widerspruch sah sich auch Jesus Christus ausgesetzt. Als seine Jünger, ohne sich vorher die Hände gewaschen zu haben, zu Essen anfingen, bemerkten das die Pharisäer, jüdische Schriftgelehrte. Diese sahen hierin einen Widerspruch zu den üblichen Speisevorschriften und konfrontierten Jesus damit, der ihnen durch ein Gleichnis antwortete:

 

„Nichts, was von außen in den Menschen hineingeht, kann ihn verunreinigen; sondern was vom Menschen herauskommt, verunreinigt den Menschen.“ Mk 7, 14

 

Was der Mensch zu sich nimmt, sei es Fisch, Fleisch, Obst, Gemüse und so weiter, dringt in den Magen und wird wieder ausgeschieden. Somit geht keinerlei Speise ins Herz hinein und folglich kann es nicht verunreinigt werden. Was dagegen von innen aus dem Menschen heraus kommt, aus seinem Herzen, kann andere verunreinigen. Das geschieht zum Beispiel, wenn es sich um böse Gedanken, Habgier, Bosheit, Zorn oder andere negative Impulse handelt. Denn diese sind es vor allem, die den Menschen verunreinigen.

 

Weniger ist mehr

 

Daher geht es in der Fastenzeit weniger um konkrete Speisegebote, sondern vor allem um eine ganzheitliche Reinigung als Vorbereitung auf das große Osterfest. Und die betrifft das, was aus dem Menschen herauskommt, bzw. nicht herauskommt. Und nicht nur das, was der Mensch zu sich nimmt.

 

So können mehr Gebete oder der häufigere Besuch des Gottesdienstes dazu gehören. Ebenso richtig sind Werke der Frömmigkeit und der Liebe, da der Glaube auch im Handeln sichtbar wird. Viele Christen setzen daher in der Fastenzeit ein bewusstes Zeichen der Solidarität mit den Armen, Alten und Kranken. Seien es spürbare Spenden, so wie es die jeweilige wirtschaftliche Situation erlaubt, sei es der Verzicht auf Speisen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie schlimm Hunger wirklich ist, oder Besuche bei Alten und Kranken. Hinzukommen die oben erwähnten spürbaren Einschränkungen im Konsum (Süßigkeiten, Zigaretten, facebook o.Ä.).

 

Unter den katholischen Christen (ca. 1 Mrd. weltweit) gibt es neben der Fastenzeit noch das Freitagsgebot, wonach jeder 14 bis 60-jährige auf den Verzehr von Fleisch verzichten sollte. Eine Besonderheit bieten der erste und letzte Tag der Fastenzeit (Aschermittwoch und Karfreitag), da an beiden Tagen in angemessenem Rahmen neben dem Fleischverzicht nur eine einmalige Sättigung vollzogen werden sollte.

 

Im Allgemeinen kommt es bei den Speisen nicht in erster Linie auf den kompletten Verzicht, sondern auf das „Weniger“ an. Zu viel Fleisch, Alkohol oder Zigaretten schaden der Gesundheit, dem Körper, und sind so letztlich nicht im Sinne unseres Schöpfers, Gott.  Worauf es – wie bei fast allen Dingen im Leben –  ankommt, ist das rechte Maß. Weniger ist oftmals bekanntlich mehr. Und dies gilt auch für das Fasten nach außen: es ist kommt nicht darauf an, möglichst prahlerisch allen zu erzählen, wie hart das Fasten doch sei. Vielmehr sollte man trotz des Fastens in Bescheidenheit normal seinen Lebensrhytmus fortführen. Denn schon Jesus forderte:

 

„Wenn aber du fastest so salbe dein Haupt du wasche dein Gesicht, damit du mit deinem Fasten nicht auffällst vor den Menschen, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; […] der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.“  (Mt 6, 17)

 

Für ein richtiges Fasten in der Zeit vor Ostern bedeutet das ein nahrhaftes Gesamtpaket aus Gebet, Verzicht und Werken der Liebe und Demut, um so mit reinem Herzen und nicht nur mit leerem Magen dem Osterfest entgegenzugehen.

 

Michael Sendker

michael_sendker@yahoo.com

Publiziert in der Ayasofya 39, 2012

 

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