50 Jahre türkische Migration in der BRD

50 Jahre türkische Migration in der BRD

 

2011 jährte sich die Arbeitereinwanderung der türkischen Staatsbürger in Deutschland zum 50. Mal. Dieses Jubiläum wurde mit zahlreichen Feiern, Vorträgen und Tagungen gewürdigt. Zwar wurden die Feierlichkeiten durch das Bekanntwerden der schrecklichen Nazimorden an türkische Migranten überschattet, dennoch und gerade deshalb ist die türkische Präsens in Deutschland von überaus großer Bedeutung. Die Rechtsextremisten sowie deren stille Unterstützer in der Mitte der Gesellschaft werden auch weitere 50, ja 500 Jahre damit leben müssen, dass türkische Arbeitsmigranten und deren Nachkommen Deutschland mitgestalten. Deutschland ist Heimat geworden für Arbeitsmigranten. Sie möchten dazugehören, mitproduzieren, mitgestalten, mitregieren. Kurz: Teilhaben. Es liegt an der Mehrheitsgesellschaft und deren Eliten, den Migranten Partizipation zu ermöglichen.

Vor fast genau 50 Jahren immigrierten viele Türken in Folge des Anwerbeabkommens zwischen der Bundesrepublik und der Türkei nach Deutschland. Wie Max Frisch sagte, „wurden zwar nur Arbeitskräfte angefordert, es kamen aber Menschen“ mit eigenen Kulturen, Religionen und Sozialstrukturen. Heute bilden diese Menschen die größte ethnische Minderheit in Deutschland. Ein Großteil von ihnen ist in der Bundesrepublik geboren und kennt die Heimat nur noch aus Reisen und Erzählungen. In den letzten Jahren haben Sorgen vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor schulischen Nachteilen der eigenen Kinder in Klassen mit hohem Ausländeranteil, aber auch psychologisch bedingte Ängste (Xenophobie) zu einer steigenden Feindseligkeit gegenüber türkischen Einwanderern geführt.

Historischer Rückblick

Bereits vor etwa 300 Jahren kamen die Vorfahren der „Gastarbeiter“ als osmanische Gesandte, Kommandeure oder Kriegsgefangene in die deutschsprachigen Gebiete. 1912 lebten in Berlin ca. 1400 Türken. Die meisten dieser türkischen Staatsbürger arbeiteten in den großen Industriebetrieben Berlins, z.B. bei der AEG, vor allem aber in der Zigarettenindustrie. 1917 kamen durch ein Abkommen  800 türkische Jugendliche aus Istanbul nach Berlin, um hier eine Ausbildung zu beginnen.

Die entscheidende Wende der türkischen Einwanderung nach Deutschland vollzog sich 1961 mit der Unterzeichnung des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, das die Arbeitsmigration regelte. Zuvor wurden schon Arbeiter aus Italien, Spanien und Griechenland angeworben. Weitere Abkommen mit Portugal, den Maghrebstaaten und dem ehemaligen Jugoslawien folgten.

Gründe der Arbeitsmigration

Ein Hauptmotiv für die Unterzeichnung des Dokuments war, dass die blühende deutsche Wirtschaft junge und gesunde Arbeitskräfte benötigte. Außerdem wurde 1961 die „Berliner Mauer“ gebaut, wodurch der Übersiedlerstrom aus den östlichen Gebieten und der DDR in die BRD stark abnahm. Die Arbeitszeitverkürzung auf 45 Wochenarbeitsstunden und die Verlängerung der Ausbildungszeiten eröffneten des Weiteren neue Ressourcen. Überdies führte der Eintritt der geburtenschwachen Kriegsjahrgänge in das Erwerbsleben dazu, dass die Nachfrage nach ausländischen Arbeitskräften stetig zunahm.

Das Hauptproblem der Türkei dagegen lag damals, wie heute noch in einigen peripheren Landstrichen, in der hohen Arbeitslosigkeit sowie der industriellen Unterentwicklung. Das agrarisch geprägte Land befand sich lange Zeit in einer wirtschaftlichen Depression. Die regionalen Unterschiede verstärkten daneben den niedrigen Entwicklungsgrad des Landes. Zwei Drittel der türkischen Arbeitsmigranten in Deutschland sollen laut einer Umfrage aus ländlichen Gebieten und aus bildungsfernen Milieus stammen. Die türkische Arbeitseinwanderung nach Deutschland lässt sich grob in drei Phasen einteilen:

  1. Immigration (ca.1960- ca.1973)
  2. Familienzusammenführung (ca.1973- ca.1980)
  3. Niederlassung- und Etablierungsphase (ab ca. 1980)

Vor allem im Zuge der Niederlassungsphase begannen die Einwanderer mit der Gründung eigener politisch-ethnischer, kultureller, oder religiöser Vereine. Diese Selbstorganisationen dienten besonders dem Erhalt und der Pflege eigener Traditionen. Die religiösen Bedürfnisse nahmen im Laufe der Zeit weiter zu, so dass auch der Staat mit den religiösen Verbänden kooperierte. Wichtige Errungenschaften dieser Zusammenarbeit sind z.B. die Etablierung des islamischen Religionsunterrichts in den Schulen sowie die Errichtung von theologischen Fakultäten an staatlichen Universitäten. Auch der Studiengang „Internationale Theologie“ in Ankara und Istanbul ist so ein Vorzeigeprojekt.

 

Türkçe Özet

 

Almanya ve Türkiye aras?nda imzalanan ??gücü Anla?mas?n?n 50. y?ldönümünü geride b?rakm?? bulunmaktay?z. Alman Edebiyatc? Max Frisch’in misafir i?çiler hakk?nda “??çi ça??rd?k, insan geldi“ sözü vard?r. Zira Türkiye’den gelen i?çilerimiz kendi i? güçlerinin yan? s?ra dini inançlar?n?, kültürlerini ve ço?unlukla k?rsal kesimlerde ve köylerde edindikleri birikimlerini de yanlar?nda getirmi?tirler. 1961 ve sonras?nda gelenler Almanya’n?n refah?na oldu?u gibi, kültürel çe?itlili?ine de ciddi katk?lar sa?lam??t?r. Gerek Almanya’n?n gerekse Türkiye’nin 1960l? y?llarda bilhassa ekonomik nedenlerden dolay? i?gücü alma veya verme gibi arzular? söz konusu olmu?tur. ??gücü Anla?mas? de?i?ik sebeplerden dolay? yüz y?llard?r „Almanya‘da Türk ?zlerinin“ (Latif Çelik) varl???na yeni ve bu defa, kal?c? bir boyut kazand?rm??t?r.

 

 

 

Yasin Ba?

ybas@gmx.de

 

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