Jesus Lebt!

Jesus Lebt!

 

„Und weil sie sprachen: „Siehe, wir haben den Messias Jesus, den Sohn der Maria, den Gesandten Gottes, getötet“ – doch weder haben sie ihn getötet, noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen nur etwas Ähnliches. Und siehe, diejenigen, die darüber uneins sind, sind wahrlich im Zweifel über ihn. Sie wissen nichts davon, sondern folgen nur Vermutungen. Und sie töteten ihn mit Gewissheit nicht! Ganz im Gegenteil: Gott erhöhte ihn zu Sich; und Gott ist Allmächtig und Allweise“ (Koran, 4:157,158).

 

Bevor wir den obigen Vers im Rahmen unserer Möglichkeit analysieren, werden wir zur Person Jesu (Friede sei mit Ihm) einige Worte sagen. Es gibt sehr viele Informationen im Qur’an, die alle Lebensabschnitte vom Leben Jesu, sprich von seiner Geburt, seiner Erhöhung zu Gott, seiner Rückkehr und seinem Ableben berichten. Zunächst möchten wir unsere Aufmerksamkeit, wie auch Gott der Allmächtige dies im Qur’an behandelt, auf die Besonderheit der Person Jesu, welcher sich von allen anderen Menschen auf der Welt unterscheidet, hinweisen.

„Wahrlich, Jesus ist vor Gott gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, alsdann sprach Er zu ihm: „Sei!“ und er war“ (Koran, 3:59).

 

In diesen Versen sehen wir die Allmacht Gottes, der die Macht hat die gewohnten Naturgesetze aufzuheben, um unseren Propheten Jesu (FsmI), sein Wort, als ein Zeichen und Barmherzigkeit der Menschheit zu entsenden. Jesus ist wie Adam ohne Vater auf die Welt gekommen. Dies ist die Manifestation des Attributes „Al-Qadir, der Allmächtige“. Somit wird Jesus zu einem Zeichen Gottes, der durch sein Leben Gottes Allmacht und Verfügungsgewalt wiederspiegelt und teilweise vom Schleier der Ursachen entbunden ist. In diesem Spiegel (Der Prophet Jesu) sehen wir Gottes Wirkung. So wie der Spiegel mit all ihren Facetten die Sonne zeigt, ohne das wir den Spiegel als Sonne darstellen, so zeigt Jesus als Spiegel die Namen des Schöpfers. Jesus ist hier nicht Gott, sondern die Projektionsfläche, wie beim Spiegel. Der Allmächtige lenkt unser Augenmerk auf den Attribut „Al-Qadir“, denn insbesondere hat dieses Attribut im Leben Jesu eine große Rolle gespielt. Durch diesen Namen war er im Stande die ganzen Heilwunder im Namen Gottes des Allmächtigen (Al-Qadir) zu vollbringen. Diese Wunderwirkungen werden im Qur’an und in der Bibel erwähnt. „Siehe, ich komme mit einem Zeichen von eurem Herrn zu euch.[…]“ (Koran, 3:49). Jesus sprach zu Ihnen: Viele gute Werke habe ich euch erzeigt vom Vater“ (Johannes 10:32 (Hier: Der Schöpfer)).

Diese ganzen übernatürlichen und transrationalen Geschehnisse zeigen uns, dass Jesus (FsmI) ein äußerst außergewöhnlicher Diener Gottes, Abdullah, war. Nun wollen wir unter diesen Gesichtspunkten den einleitenden Vers näher in Betracht ziehen.

Die christliche Auffassung davon ist, dass Jesus (FsmI) getötet bzw. gekreuzigt wurde. So wird daran geglaubt, dass er (FsmI) starb, aber dann wieder zum Leben kam und zum Himmel aufstieg. Aber der Qur’an sagt: „[…]doch weder haben sie ihn getötet (arab.:qataluhu), noch gekreuzigt, sondern es erschien ihnen nur etwas Ähnliches (arab.:schubbiha)[…]“ (Koran, 4:157), „Seitdem Du mich abberufen (arab.:tawaffaytani) hast, bist Du der Wächter über sie. Du bist über alles Zeuge“ (Koran, 5:117).

 

Hier sehen wir die Feinheit der arabischen Linguistik bezüglich des Wortes „töten/qatl“ sowie „abberufen/tawaffana“. Tawaffana bedeutet nicht unbedingt „Tod“, sondern man versteht darunter, auch im quranischen Kontext, „das Zurücknehmen der Seele“ entweder im Tod oder im Schlaf. Um dies besser zu verstehen erörtert uns der Islamgelehrte Said Nursi in seinem Qur’ankommentar Risale-i Nur, dass es fünf Lebensbereiche gibt und Jesus (FsmI) sich im dritten Bereich befindet: Dies ist der Bereich, in dem Idris und Jesus leben, mit denen der Friede sei. Sie sind, frei von menschlichen Lebensbedingungen, in ein engelgleiches Leben eingegangen und haben einen Körper von der Feinheit des Lichtes erlangt. Sie befinden sich im Himmel mit einer Art irdischem Körper, in seiner Feinheit vergleichbar dem Körper in unseren Träumen und in seiner Leuchtkraft dem des Astralkörpers“ (Nursi, 2001, S.12).

 

In diesem Lichte betrachtet zeigt es uns, dass Jesus nicht im allgemeinen Verständnis getötet, sondern lediglich zu seinen ersehnten allmächtigen Herrn emporgehoben (arab.: rafa’a) wurde. Mit diesen Argumenten weist der Qur’an auf die Wiederkehr Jesu am Ende der Zeit hin. Wie schon erwähnt ist seine Geburt, das Emporheben in den Himmel und seine Wiederkehr die Manifestation des Namen „Al-Qadir“ der Allmächtige. Wir sehen einen außergewöhnlichen Lebenslauf weit weg von unserem Ursachendenken. Die Ursachen sind nur Schleier. Dahinter wirkt eine Unsichtbare Allmacht, die Gott heißt.

Das Auftreten Jesu, so Said Nursi, deutet das Aufkommen einer kollektiven Persönlichkeit, die zu einer Allianz zwischen Christen und Muslime im Glauben an den einen Gott und für das gemeinsame Ziel des Friedens führen wird. O Volk der Schrift, kommt herbei zu einem Wort, das uns und euch gemeinsam ist…“ (Koran, 3:64). Hier können wir das „Wort“, wie es auch der Qur’an auch tut, Jesus (FsmI) zuschreiben. Denn er ist uns, Christen und Muslime, gemeinsam und führt uns zu dem Einen und Einzigen Gott. Er wurde lebendig emporgehoben und wird bei lebendigem Leibe zurückkehren. Seine Rückkehr wird uns neues Leben einhauchen und mit Gottes Hilfe werden in der Endzeit die aufrichtigen Christen sowie Muslime gemeinsam die Gottlosigkeit bekämpfen.

 

In diesem Sinne – Seien wir die Wegbereiter Jesu!

 

Friede sei mit uns allen

Publiziert in der Ayasofya 35, 2011

Hakan Çelik

celik80@web.de

Literatur:

  • Der Koran. Übersetzung von: Khoury Adel Theodor. Unter Mitwirkung von Abdullah Muhammed Salim. Gütersloher Verlagshaus: Gütersloh, 1987
  • Die Bibel: Das Neue Testament. 2. Taschen-Sonderausgabe. R.Brockhaus Verlag: Wuppertal, 1996
  • Nursi S.: Mektubat. Yeni Asya: Istanbul, 2001

Publiziert in der Ayasofya 35, 2011

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